Banner mit Energieberatung

[Impressum]
Festnetz: 0049 7533 99 50 99 0    Mobil: +49 152 3351 8240   Mail: huebner@genialwarm.de 

Site-Map:

Photovoltaik, Heizstab und das Finanzamt

Immer weiter fallende  Einspeisevergütungen haben den Verbrauch des selbst erzeugten PV-Stroms in den Vordergrund gerückt. Häufig  argumentieren begnadete Verkäufer:  

                           PV + Heizstab = das perfekte Team!

Begründet wird das damit, dass der PV-Strom vom Dach angeblich kostenlos sei. 
Das klingt gut, kann aber ganz gehörig in die Hosen gehen, wenn man die Rechnung ohne das Finanzamt macht, denn kostenlos ist nicht gleich steuerfrei!

Während in der Schweiz die  PV-Anlage auf dem Privathaus normalerweise als steuerliches Privatvergnügen angesehen wird (keine Abschreibung der Anlage, keine Besteuerung des Eigenverbrauchs), haben in Deutschland viele Solarteure sich entschieden, die Mehrwertsteuer auf den Anschaffungspreis ihrer PV-Anlage  vom Finanzamt zurück zu holen (auch ein gerne bemühtes Verkaufsargument in der Branche). Und natürlich will man mit satten Abschreibungen auch den Gewinn und damit die Einkommensteuer drücken. Aber: Damit ist der deutsche Solarteur de facto zu einer Firma geworden und er hat von nun an das Finanzamt als “stillen Teilhaber” mit an Bord.

Heißt: Der Wert des selbst verbrauchten Solarstroms ist zunächst einmal umsatzsteuerpflichtig und überdies auch einkommensteuerpflichtig. 

Das Thema ist sehr komplex und hängt von vielen  Randbedingungen ab.
Deshalb hier nur in kleines Beispiel zur Sensibilisierung für alle, die dem deutschen Steuerrecht unterliegen:

Herr Sonnig betreibt eine nagelneue PV-Anlage. Weil er die gezahlte Mehrwertsteuer auf den Wert der PV-Anlage vom Finanzamt zurück haben wollte, hat er bei der Mehrwertsteuer nicht für den Kleinunternehmerstatus optiert, sondern für die reguläre Umsatzsteuerpflicht.  Nun hat Herr Sonnig einen Elektro-Heizstab in seinem Warmwasserspeicher - und diesen Heizstab nutzt er fleißig, weil das ja angeblich kostenlos ist. Daraus gibt sich folgende Situation:

Modellannahmen:

Preis für kWh Strom: 25 Ct + Mehrwertsteuer

Preis für 1 kWh Erdgas:   5 Ct. + Mehrwertsteuer  bei 100 % Wirkungsgrad

Grenzsteuersatz für Herr Sonnig’s  Einkommenssteuer:  35 %

Eigenverbrauchter PV-Strom über Heizstab:  3000 kWh im Steuerjahr.

Rechnung:

Energiekosten PV-Strom:  3.000 kWh x 0,00 €/kWh   = 0 €      - bis hierher o.k.

+ Einkommensteuer:   3000 kWh x 0,25 €/kWh x 0,35 Steuersatz   = 262,50 €

+ Mehrwertsteuer:   3000 kWh x 0,25 €/kWh x 0,19  Steuersatz =  142,50 €

Ergibt gesamte Steuerlast auf die “kostenlose” Stromlieferung der Sonne:  405 €.

Ergibt Steuerlast von 13,5 Ct pro selbst verbrauchter kWh “kostenlosen” PV-Stroms.

Alternative: 

Herr Sonnig erzeugt 3.000 kWh Wärme durch das Verbrennen von Erdgas.

3.000 kWh aus Erdgas hätten nur gekostet 3000 kWh x 5 Ct./kWh  x 1,19 = 178,50 €

Und eine Einspeisevergütung für den an Stelle des Erdgases nicht abgefackelten Solarstrom hätte es möglicherweise auch noch gegeben ....

 

Merke:
Das “Abfackeln” von angeblich kostenlosem Solarstrom über einen E-Heizstab ist aus steuerlicher Sicht problematisch, weil letztendlich nur “billige” Wärme erzeugt wird, die anderweitig häufig günstiger beziehbar ist.

 

Deshalb meine Tipps:

1.) Wenn Sie also schon Strom dazu nutzen, um letztendlich Wärme zu erzeugen, dann sollten Sie zur Wärmeerzeugung eine Wärmepumpe nutzen, denn die Wärmepumpe macht typisch aus 1 kWh PV-Strom rund 4 kWh Wärme.

2.) Sie sollten - z. B. über Ihren Steuerberater - klären, ob eine Optierung zum steuerlichen Status des Kleinunternehmers möglich ist. Dann würde keine Mehrwertsteuer mehr auf den Eigenverbrauch anfallen.

3.) So manche Anlage ist gar nicht darauf ausgelegt, dass ein E-Heizstab “undercover” den Speicher z. B. auf 90 Grund auflädt. Wenn Sie es sich trotzdem antun wollen, so denken Sie bitte  auch an solche Dinge wie Verbrühschutz und Thermoschutz für Ihre Fußbodenheizung.

4.) Denken Sie über die Anschaffung einer Batterie nach!

5.) Ein elektronischer Energiemanager kann Großverbrauchern wie  Waschmaschinen, Trocknern, Spülmaschinen automatisch “Startfreigabe” erteilen, um damit den hauseigenen PV-Strom günstig und zweckmäßig zu verwenden.
Das Problem dabei ist: Die jeweiligen Geräte erfordern in der Regel zusätzlich  einen manuellen Startbefehl, z. B. durch Drücken eines Start-Knopfes. Ist also niemand da, der den Start-Knopf drückt, dann nutzt auch die ausgefeilteste Elektronik eines Energiemanagers nichts und der entstehende PV-Strom kann nicht wie geplant genutzt werden.
Sie sollten beim Neukauf  von Großgeräten deshalb darauf achten, dass diese wirklich vollautomatisch startbar sind.  Bedenken Sie aber auch das Problem eventuell platzender, unbeaufsichtigter Wasserschläuche ....

6). Prüfen Sie, inwieweit Sie den Verdichterbetrieb Ihres Gefrier- oder Kühlschranks auf ein PV-Strom-Angebot optimieren können. Die Grundidee dabei ist, dass man dem Kältegerät Startverbot erteilt für diejenige Zeit, die der üblichen PV-Einspeisephase vorgelagert ist, also z. B. zwischen Mitternacht und 9 Uhr morgens. So etwas ist mit einer einfachen Schaltuhr machbar.  Das Kältegerät wird sich dann - so bald die PV-Anlage  vermutlich Strom liefert - aus dem selbst erzeugten PV-Strom versorgen (je nach Anlagenausrichtung).  Bedenken Sie, dass erhöhte Lagertemperaturen die Lagerungsfähigkeit des Gefriergutes verkürzen kann. Machen Sie ggf. mit einem Datenlogger Messungen, in wie weit Sie die Abschaltphase ausdehnen können, damit die Mindestlagertemperatur nicht überschritten wird und nichts verdirbt.  Und natürlich ist es auch denkbar, einen Gefrierschrank zu guten PV-Strom-Zeiten ein paar Grad tiefer abzukühlen (Schnellgefrier-Temperatur). In der Regel dürfte das jedoch eine Aufgabe für eine ausgebildete Elektro-Fachkraft sein.

7.) Wenn Sie vom Netzbetreiber einen neuen “smarten” Stromzähler erhalten, so sollte dieser eine Schnittstelle haben, aus der sie elektronisch die jeweiligen Einspeiseleistung abfragen können. Diese Information wird von einem elektronischen Energiemanager (s.o.) benötigt, der daraus die entsprechenden Schaltbefehle, z. B. an die Wärmepumpe, herleitet. Erweisen sich Netzbetreiber und/oder Zähler diesbezüglich als nicht kooperativ, so sollten Sie rechtzeitig einen eigenen Stromzähler einplanen, aus dem ein passender elektronischer Energiemanager herleiten kann, wie hoch gerade die Einspeiseleistung von Ihrem Hausnetz ins öffentliche Netz ist. Ohne diese Voraussetzung verschenken Sie Einsparpotenzial.

 

Achtung: Bitte prüfen Sie sorgfältig, in wieweit obige Tipps auf Ihren jeweiligen Anwendungsfall anwendbar sind. Arbeiten an elektrischen Geräten sind grundsätzlich ausgebildeten Fachkräften vorbehalten!

 

Web Design