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Stromanschluss und die Estrichtrocknung

Der richtige Stromtarif ist eine Sache. Die richtige Stromverkabelung, also der physische Anschluss der Wärmepumpe an das Stromnetz  ist die andere Sache.

Ärger droht bei diesem Thema vor allem hier:

  • Wiederholte Unterbrechungen der Stromversorgung können im Extremfall die Steuerelektronik beschädigen
  • Die Heizung läuft unter Umständen nicht mehr selbständig an, wodurch z. B gerade im Winter Frostschäden
    entstehen können
  • Ein zuvor eventuell aktives Estrich-Anheizprogramm startet nach Spannungswiederkehr seinen tagelangen
    Prozess ganz von vorne und wirbelt damit den kompletten Zeitplan auf der Baustelle durcheinander
  • Die drei Drehstromphasen werden getauscht, wodurch im Extremfall der Verdichter der Wärmepumpe
    zerstört werden kann., weil er somit “falsch herum” läuft.. Diese Gefahr besteht vor allem, wenn die
    Stromversorgung im Haus temporär über einen Baustromverteiler erfolgte und dann irgendwann auf “richtige”
    Stromversorgung umgestellt wird.

Die Inspiration, dieses Thema aufzugreifen, stammt aus einem aktuellen Neubauvorhaben. Hier hatte der hauptamtliche Elektriker den Schaltschrank, d. h. den sogenannten elektrischen Hauptverteiler nicht rechtzeitig fertig gestellt und einen professionellen Terminplan gab es nicht. Bislang passierte folgendes:

Die 2 DIN-Schienen, welche im Hauptverteilerschrank die Wärmepumpenelektrik aufnehmen sollten, waren durch ein 2 Finger dickes Kabel zum Baustromverteiler blockiert. Dieses Problem konnte zunächst stressfrei behoben werden, indem der Elektriker das störende Kabel an anderer Stelle durch den Hauptverteilerschrank führte. Danach wurde das Estrich-Anheizprogramm gestartet, damit der nasse Estrich - im vorliegenden Fall immerhin rund 12 Kubikmeter Wasser-Gipsgemisch - allmählich getrocknet werden konnte.

Nachdem das Anheizprogramm 5 Tage lang gelaufen war, erhielt ich abends einen Anruf vom Architekten: Die Wärmepumpe steht! Also auf zur Baustelle - es war mittlererweile 23 Uhr - um dort festzustellen, dass irgendjemand neue Deckenleuchten montiert hatte - und die Wärmepumpenaußeneinheit samt Verdichter stromlos gemacht hatte. Kurzum: Ein klassischer Fehler durch unqualifizierten Eingriff von außen. Die Gesamtsteuerung der Wärmepumpe hatte jedoch noch Strom und stellte fest: “Meine Außeneinheit draußen vor der Tür redet nicht mehr mit mir ...” und voilà: Busfehler! (oder banal: “Kommunikationsfehler”). Also schalte ich den Leitungsschutzschalter für die Außeneinheit wieder ein und quittiere den Busfehler in der Gesamtsteuerung. Und weil das Haus inzwischen wieder ziemlich ausgekühlt war, dazu noch die Freigabe für den E-Heizstab, damit der Estrich-Trocknungsprozess wieder in der Strümpfe kommen sollte. Dann 1/4 Stunde überwachten Probebetrieb und 40 km Nachhausefahrt um den nächtlichen Bodensee. - Und das alles, weil irgend ein Unwissender eine Sicherung, die ihn nichts anging,  abgeschaltet hatte ....

Anzumerken ist dabei, dass das Estrich-Anheizprogramm, welches hier zum Einsatz kam, nach Störungsbehebung automatisch mit derjenigen Temperatur weitermacht, die es zum Zeitpunkt der Störungsbehebung misst. Und genau diese Temperatur war inzwischen ganz erheblich zurück gefallen. Man kann da zwar ein wenig manipulieren, indem man z. B. zunächst nur den Pufferspeicher  per Festtemperatur  hochheizt - das ergibt einen besseren Startwert für das Estrich-Anheizprogramm -  aber man darf auch nicht den inzwischen voll ausgekühlten, nagelneuen Estrich zu schnell wieder anheizen, sonst hat man am Ende ein Gewährleistungsproblem mit dem Estrichleger.

Aber die Geschichte geht weiter. Am nächsten Morgen klingelt mein Telefon, am Telefon wieder der Architekt:  “Herr Hübner, heute gegen 12 kommt der Elektriker! Der muss noch den Baustromverteiler umhängen ....”.  Also Alarmstufe Rot und ich fahre wieder einmal 40 km um den halben See. Der Elektriker war bei meinem Eintreffen auf der Baustelle schon da und diesmal läuft auch die Wärmepumpe trotz der vorangegangenen Spannungsabschaltung.  Haus und Estrich sind immer noch kalt - aber das ist auch nicht weiter verwunderlich, wenn man mit einer 8-kW-Wärmepumpe 200 Quadratmeter kalten Nassestrich mit täglichen Temperaturhüben von 5 Grad anheizen möchte und laufend der Strom abgeschaltet wird. Ich fahre also wieder um den halben See zurück nach Hause. Noch nicht ganz zu Hause klingelt das Telefon erneut. Diesmal am Telefon: Der  Bauherr - und der  verkündet mir, dass die Wärmepumpe keine Leistung bringe. Die Bauherrin sekundiert dazu: Wir haben jetzt 1 ganze Woche verloren!  Ich will nun nicht weiter in die Details des dann folgenden längeren Gesprächs gehen, aber so viel kann man aus dem Fall lernen:

Das automatische Estrich-Trocknungsprogramm sollte störungsfrei seinen kompletten Heizzyklus duchfahren können. Spannungsabschaltungen in dieser Zeit sind tabu. Der Hauptverteiler sollte elektrisch unabhängige Arbeitsbereiche kennen, also z. B. Wohnungen und/oder Stockwerke, die gezielt einzeln abschaltbar sind, ohne dass die Heizanlage mit abgeschaltet werden muss. Im oben beschriebenen Fall war die Hausinstallation durch den Hauselektriker schlichtweg nicht rechtzeitig fertig geworden, aber die neue Wärmepumpe sollte partout schon laufen, damit der Estrich trocken werden sollte.

Bei Redaktionschluss war die Beschlusslage, dass der Bauherr nun auf Einsatz des vollautomatischen Estrich-Anheizprogramms verzichtet und der am Ort wohnende Architekt nunmehr 10 Tage lang täglich manuell die vom Estrichleger geforderte Heizwasser-Temperatur an der Wärmepumpensteuerung einstellen muss. Bei rechtzeitiger, ordentlicher Fertigstellung des Hauptverteilers hätte man das wahrlich einfacher haben können.

Übrigens: Ärger droht bei diesem Thema auch, wenn Sie einen Wärmepumpen-Stromtarif haben, der Ihnen beim Estrichtrocknen mehrmals täglich via EVU-Kontakt die Wärmepumpe abschaltet. Mein Tipp: Sprechen Sie rechtzeitig mit Ihrem Elektriker und/oder Ihrem Stromnetzbetreiber, wie die Anforderungen des Estrichlegers bedient werden können. Bei Erdwärmeanlagen ist überdies zu klären, ob zwischen Estrich-Trocknung und Beginn der Heizperiode genügend Zeit liegt, damit sich die Erdwärmesondenanlage bis zum Beginn der Heizperiode  thermisch regenerieren kann. Im allerschlimmsten Fall muss der neue, nasse Estrich mit dem E-Heizstab trocken geheizt werden. Wohl dem, der sich hier für einen Trockenestrich entschieden hat!

 

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